Auf der Suche nach Dada

    Der Hintergrund


Die Übertragung von dadaistischem Material in das noch recht neue Medium Film erschien mir zuerst nicht ganz einfach. Ich habe mich an Lautgedichten von Hans Arp  und Walter Mehring orientiert, die auf mich den Eindruck machten, auch ohne direkt erkennbaren Sinn eine Aussage zu haben. Außerdem ließ ich dadaistische Manifeste von Hugo Ball und Richard Huelsenbeck einfließen.

Ähnliches wollte ich in meinem Kurzfilm erreichen, d.h. ohne direkt erkennbare Intention eine Aussage treffen. Wichtig war mir also die versteckte Intention in einem scheinbar sinnlosen Ablauf von Szenen und Dialogen. Zur Erklärung muss man die beiden Geschichten, die in dem Film vorkommen, klar voneinander trennen.

Zuerst ist da der Junge, der sein Dada schließlich findet, als er sich in einem Feld suhlt. Seine Geschichte beginnt morgens, als er aufwacht und sich vornimmt Dada zu suchen. Er kommt in ein Gewölbe und fragt dort nach Dada. Man schickt ihn zu einem Uhrwerk, wo er einen Mann in Kutte findet, der ihm versichert, dass er Dada finden werde. Schließlich sucht der Junge Dada draußen in der Natur. Er folgt einer schwarzen Silhouette und findet Dada in einem frisch gepflügten Feld bzw. im Zusammentreffen mit dem Pärchen.

Bei dieser Geschichte war mir wichtig, Dada als etwas ganz Alltägliches darzustellen. Für den Jungen bedeutet Dada einen Gemüts- und Gefühlszustand, den er erreicht, wenn er einfach mal etwas Verrücktes macht.

Die zweite Geschichte handelt von einem Pärchen, das sich langweilt. Sie fahren jede Woche an ein und den selben Ort und die Frau weiß immer noch nicht, wie man dort hinkommt. Der Mann sagt, er suche Dada, womit in diesem Fall wohl Abwechslung gemeint ist. Schließlich findet jedoch nicht er, sondern sie ihr Dada, als auch sie eine schwarze Silhouette sieht. Beide folgen dieser und kommen zu einer leeren Landstraße, wo sie auf den glücklichen Jungen treffen, der sein Dada ebenfalls gefunden hat. Außerdem findet das Paar wieder zusammen, denn sie gehen Hand in Hand und stillschweigend dem Nichts entgegen.

Vieles im Film, wie der Berg Sonnencreme auf dem Bauch des Mädchens oder das Verhalten des Jungens, der Dada im Feld findet, soll widersinnig erscheinen. So wollte ich aufzeigen, dass unser Leben eine ständige Aneinanderreihung von Erwartung und Erfüllung oder Nichterfüllung der Erwartung ist. Im Film wird ständig mit Erwartungen gebrochen, so häufig, dass einem schnell klar wird, welche Erwartungen man an die Handlung des Films eigentlich gestellt hat.

Die beiden Geschichten sind einerseits mit Definitionen und andererseits mit dadaistischen Texten gemischt. Durch die Texte wird klar: Die Dadaisten wollten anders sein. Für sie bestand der Sinn ihres Lebens darin mit Kultur und Sitten zu brechen.

Die allgemeine Botschaft des Films ist  also folgende: Dada heißt „anders“ zu sein.

Der Inhalt ist jedoch sehr vielschichtig und nicht nur durch die Handlung zum Zuschauer zu bringen. Daher versuchte ich auch auf filmtechnischer Basis dem Film dadaistische Anklänge zu geben. Doch wollte ich nicht komplett mit den filmtechnischen Regeln brechen, sondern nur etwas abweichen. Dazu nutze ich die Möglichkeiten des Bildausschnitts. Von der Frau, die die Lexikonartikel verliest, sind lediglich die Augen zu sehen, obwohl doch eigentlich ihr Mund das Medium ist, das sie nutzt, um dem Zuschauer die Informationen zu geben. Ähnlich verhält es sich mit dem ganz in weiß gekleideten Mann. Dieser ist in einer Einstellung nur im Hüftbereich zu sehen Außerdem hob ich diese erläuternde Sequenz durch eine geringfügige Unschärfe aus dem Zusammenhang des restlichen Films heraus. Als drittes Beispiel für einen Auschnittswechsel möchte ich die Vorbereitungsszene des Pärchens nennen. Man sieht nur die Füße, d.h. den Weg, den sie zurück legen. Eigentlich wären ihre Oberkörper viel interessanter, doch ich wollte die Körperteile in den Vordergrund rücken, die zwar scheinbar uninteressant sind, durch die Fokussierung auf sie aber plötzlich interessant werden. Diese neuen Eindrücke sollen den Zuschauer neugierig machen auf das Thema Dadaismus.


Außerdem versuchte ich den Film einfach zu gestalten. In diesem Fall heißt das, keine aufwendigen Einstellungen oder Kamerapositionen. Die Kamera sollte in den Hintergrund treten und die Bühne frei machen für das Bild selbst. Daher wählte ich auch hauptsächlich statische Kamerapositionen. Ich rückte die Menschen in den Vordergrund. Der Zuschauer soll ganz genau auf ihre Aktionen achten, um sich auf die Verbindung zwischen Film und Dadaismus zu konzentrieren.

Um die Personen herum wählte ich deshalb eine reduzierte Umgebung. Jeder Drehort hat ein besonderes Merkmal (Beispiele: Feld, Straße, Kiesgrube). Dies ist schnell zu erfassen, was die Konzentration wieder auf die Personen in der Szene lenkt.

Der Film ist also auch in seiner Technik in vielerlei Hinsicht anders als andere Filme, was die allgemeine Aussage „Dada ist anders“ untermauert.